Besuch beim Studiengang „Rettungsingenieurwesen“ an der FH Köln

„Rettungsingenieurwesen“ lässt sich in Deutschland nur an zwei Fachhochschulen studieren: Der FH Köln und der HAW Hamburg. Wobei lediglich die FH Köln einen entsprechenden Master-Studiengang anbietet.

Das Studium des Rettungsingenieurwesens habe ich in meinen Beratungen bereits bei einigen Kunden mit in die engere Wahl genommen – und zwar bei solchen, die ein sehr anwendungsbezogenes, ingenieurwissenschaftliches Studium aufnehmen möchten und gerne eine„soziale Komponente“ dabei hätten. Die Auswahlgrenze an der FH Köln lag im letzten Wintersemester bei 2,6.

Benachbarte, aber doch etwas anders ausgerichtete Studiengänge, sind die „Sicherheitstechnik“ an der Uni Wuppertal sowie der Studiengang „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ an der Uni Magdeburg.

Im Rettungsingenieurwesen geht es um Gefahrenabwehr und Sicherheit. Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz gehören dazu, wie auch die vorbeugende Gefahrenabwehr, also Brandschutz sowie Umwelt- und Bevölkerungsschutz. Die technischen, medizinischen und organisatorischen Aufgaben in diesen Bereichen werden immer komplexer und erfordern vielseitig ausgebildete Fach- und Führungskräfte.

Im Gespräch mit Christian Bentler, Mitarbeiter am Institut „Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr“ der FH Köln, wollte ich mehr über diesen Studiengang und die möglichen Berufsfelder herausfinden:

Was sollte man als angehender Student des Rettunsgingenieurwesens mitbringen?

Formal zunächst mal ein 3-monatiges Vorpraktikum (480 Stunden) oder alternativ eine Ausbildung, z.B. als Feuerwehrmann oder Rettungsassistent. Dann wäre ein Interesse für die Bereiche „Gefahrenabwehr“ und „Katastrophenschutz“ hilfreich. Außerdem sollte man mathematisch-naturwissenschaftliche Fähigkeiten mitbringen, da die Anforderungen in diesen Fächern schon recht hoch sind – wie bei jedem anderen ingenieurwissenschaftlichen Studium auch.

Was sind die Besonderheiten des Studiengangs?

Der Anwendungsbezug ist von Anfang an sehr hoch. Wir haben viele externe Lehrbeauftragte, z.B. von der Berufsfeuerwehr Köln und dem Technischen Hilfswerk, die ihre Praxiserfahrung in die Lehre einbringen. Auch in den ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenfächern wie Mathematik oder Physik arbeitet man häufig mit praxisnahen Aufgaben aus dem Rettungswesen. Beispielhaft müssen die Studierenden im Modul Strömungstechnik den Rohrwiderstand eines Feuerwehrschlauches berechnen.

Durch eine Kombination aus der Möglichkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, beispielhaft in Projekten oder Ausarbeitungen, und der praxisnahen Anwendung entsteht eine einzigartige Mischung.

Während des Studiums muss man sich mit einer ganzen Reihe ingenieurwissenschaftlicher Disziplinen auseinandersetzen, z.B. Elektrotechnik, Bautechnik oder Werkstoffkunde. Wofür benötigt ein Rettungsingenieur z.B. Elektrotechnik?

Bei der Feuerwehr kommen eine Vielzahl von elektrischen Geräten zum Einsatz, die natürlich auch verstanden und instand gehalten werden müssen. Außerdem kann Elektrizität Auslöser von Gefahren sein, z.B. wenn es um Hochspannungsleitungen oder Starkstrom geht.

Wie würden Sie die Atmosphäre im Studiengang beschreiben?

Mit rund 120 Studienanfängern pro Jahr ist unser Studiengang noch überschaubar . Der Zusammenhalt unter den Studenten ist sehr ausgeprägt. Viele sind sozial eingestellt. Man hilft sich untereinander, auch semesterübergreifend. Darüber hinaus haben wir einen sehr aktiven Fachschaftsrat. Da der Studiengang nur an zwei Hochschulorten angeboten wird, ziehen viele Studenten extra von weiter her nach Köln. Das ist natürlich gut für die Atmosphäre.

Leider ist unsere Frauenquote immer noch gering, vielleicht 10-15%, aber wir haben festgestellt, dass der Trend langsam nach oben geht.

Neben dem Rettungsingenieurwesen kann man sich im Laufe des Studiums, vor allem im Master, auf Brandschutzingenieurwesen spezialisieren. Das hört sich schon ganz schön speziell an.

Speziell schon, aber dafür sind die Berufsaussichten für Brandschutzingenieure hervorragend. Es geht hier beispielsweise darum, Gebäude sicherer zu machen, Fluchtwege in großen Gebäuden zu planen oder auch Busse und Bahnen mit Sicherheitsmaßnahmen auszustatten.

Und wie sehen die Berufsaussichten für Rettungsingenieure aus?

Insgesamt kann man die Berufsaussichten als sehr gut bezeichnen. Wobei man sagen muss, dass Feuerwehr und Rettungsdienste nicht mehr so viele Absolventen aufnehmen können wie vor einigen Jahren. Aber dafür gibt es eine Reihe von anderen Berufsfeldern, die an Bedeutung gewinnen.

Die Entwicklung von Geräten und Fahrzeugen für Feuerwehr und Rettungsdienst spielt eine immer größere Rolle. Hier sind Rettungsingenieure als „Dolmetscher“ zwischen Feuerwehrleuten, Rettungsdienstpersonal und Medizinern auf der einen Seite und den konstruierenden Ingenieuren auf der anderen Seite gefragt.

Die Abwehr von Gefahren auf Großveranstaltungen ist ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld. Rettungsingenieure, die sich darum kümmern, sind zumeist bei Behörden angestellt.

Rettungsingenieure findet man übrigens auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Sie koordinieren die Arbeit von Hilfsorganisationen nach Naturkatastrophen, z.B. nach dem Erdbeben in Haiti.

Vielen Dank, Herr Bentler!

Weitere Infos zum Studiengang:

http://www.f09.fh-koeln.de/institute/irg/

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